Neuzeitliche Entwicklung des Ordens

Seit 1608 hatte der Lazarus-Orden nur in der Einheit mit dem Orden unserer Lieben Frau vom Berg Karmel die päpstliche Anerkennung. Während der Französischen Revolution wurden alle königlichen Orden aufgelöst, auch der Orden Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel. Der Lazarus-Orden genoss fortan keinen päpstlichen Schutz mehr. Auch König Charles X. war der Auffassung, dass der Orden nur in der erwähnten Einheit bestehen könne. Die Revolutionen von 1830 und 1848 sowie die fehlende Unterstützung aus Rom veranlasste die Ordensleitung, sich unter die Administration des melkitisch-katholischen Patriarchen zu begeben, denn der Lazarus-Orden ist nicht souverän (wie der Malteserorden) und genießt auch nicht den Schutz eines amtierenden Staatsoberhauptes oder legitimen Chefs eines Herrscherhauses. Die Melkitische Kirche ist aber dem Heiligen Stuhl unterstellt und der Patriarch nicht autorisiert, einen Ritterorden unter seinen Schutz zu stellen.

Nach kanonischem Recht gilt ein Orden 100 Jahre nach dem Tod des letzten Ritters als aufgelöst. Das letzte Mitglied des Ordens Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel starb 1857. Somit existiert der historische Lazarus-Orden de jure nicht mehr, wobei diese Ansicht unter Fachleuten umstritten ist. de facto existiert und lebt er aber weiter als weltweit anerkannte, christlich-ökumenische Vereinigung, die ihre karitative und gesellschaftliche Tätigkeit nach den Traditionen des erloschenen Ritterordens ausrichtet.

Die internationale sozialkaritative Arbeit des Lazarus Hilfswerks (LHW), das Anfang der 1970er Jahre in Österreich wie auch Deutschland die Arbeit aufnahm, erreichte als der seinerzeit jüngste karitative Arm des Ordens schon bald internationale Anerkennung als Nichtregierungs-Organisation (NRO).
Vor allem in Ländern des damaligen Ostblocks, insbesondere Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Litauen, Rumänien, Ukraine, Mazedonien und Bosnien leistete das LHW dringend benötigte humanitäre Hilfe und arbeite vor Ort eng mit anderen christlichen Einrichtungen zusammen. Jüngst wirkte das LHW im Auftrage des Ordens zur Überwindung der Not in auf der indonesischen Insel Nias: Lebensmittellieferungen, Fischerboote und Wiederaufbaumaßnahmen des LHW zur Wiedererrichtung von Schulen helfen, die Not nach der Tsunami- und Erdbebenkatastrophe zu lindern.

Finanziell unterstützt wird die Arbeit des Ordens und seiner Hilfswerke durch Spenden aus der breiten Öffentlichkeit, durch Zuwendungen der Regierungen und der Europäischen Gemeinschaft. Vor allem sind es die Spenden der Ordensmitglieder, die eine humanitäre, karitative Hilfe unter dem Zeichen des achtspitzigen grünen Lazaruskreuzes ermöglichen. So waren die deutschen Lazarus-Helfer seit 1980 unermüdlich mit den organisationseigenen 38t-Lastzügen unterwegs, um Lebensmittel, Medikamente und Hilfsgüter in die damals noch kommunistisch unterdrückten Ostblockstaaten zu bringen, um in Not geratenen Menschen zu helfen. Durch die direkte Übergabe der Hilfslieferungen an die Bedürftigen, aber auch an kirchliche Verteizentren, konnte sichergestellt werden, dass die Hilfsgüter im Sinne der Spender ohne Verlust ihre Ziele erreichten.

Vielfach entwickelten sich aus dieser Nothilfe soziale Einrichtungen (Ambulante Krankenpflege und Sozialstationen, aber auch Schulungseinrichtungen für karitative und soziale Berufe) In vielen Ländern wuchs das Interesse am Lazarus-Orden, und so wurden auch Niederlassungen des Ordens gegründet, die sich wachsendes Zuspruchs erfreuen.

Papst Johannes Paul II. empfing wiederholt Repräsentanten des Lazarus Hilfswerks (LHW) in Privataudienzen und dankte den Helfern persönlich für ihre vielfältigen Einsätze und die Hilfe zur Überwindung der Not und motivierte sie zur Fortführung ihres christlichen karitativen Engagements im Sinne von Cor Unum.

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